Das Holzfachwerk

Verblattet und verzapft

Ein wesentliches Merkmal des spätmittelalterlichen Fachwerkbaus ist die „Verblattung“. Darunter ist eine spezielle Verbinddungstechnik der senkrechten, waagrechten und diagonalen Hölzer der Baukonstruktion zu verstehen. Verblattete Verbindungen unterscheiden sich von verzapften Konstruktionen dadurch, dass an den Enden der Hölzer „Blätter“ geschnitten werden, indem der Querschnitt geschwächt wird. Dieses Blatt wird dann ein eine so genannte „Blattsasse“ eingelegt. .

Die Blattsasse ist eine der Blattform entsprechende Vertiefung im zu verbindenden Holz. Meistens laufen die Blätter nicht gerade auf das angebundene Holz, sondern werden mit diesem verhakt. Daraus ergibt sich die Bezeichnung „Hakenblatt“ für diese Form.  Der große Vorteil des Hakenblatts ist, dass solche Verbindungen Zugkräfte aufnehmen können. Im Spätmittelalter können solche Blätter auch ornamental gestaltet sein.

Im „hinteren“, westlichen Teil des Obergeschosses der ehemaligen Burgstallung ist noch das Fachwerk aus dem mittleren 15. Jahrhundert erhalten. Es wurde beim Bau des Gebäudes Im Jahr 1445 aufgerichtet. Ursprünglich waren auch die beiden Giebel aus Fachwerk errichtet. Der Westabschluss wurde bereits im 18. Jahrhundert „versteinert“. Dieser Giebel war der Witterung besonders ausgesetzt, weshalb das Holz offenbar so geschädigt war, dass man sich für eine Erneuerung aus Stein entschied.

Der Ostgiebel war im 19. Jahrhundert in einfacher Form ersetzt worden. Für die jetzige Nutzung ist an dieser Stelle eine Brandwand erforderlich. Im Sinne einer harmonischen Erscheinung des Burggebäudes entschloss man sich für eine Ausführung ebenfalls in Stein.

Lehmflechtwerk vor der Sanierung

Dachstuhl mit saniertem Gebälk, Harnickeln und
eingezogenem Stahlgerüst

Auch die erhaltene nördliche Hofseite hat nicht unverändert im Zustand des 15. Jahrhunderts überdauert.  Ursprünglich befand sich in den Feldern zwischen den Hölzern Gefache aus der Erbauungszeit. Zwischen senkrechten „Stakhölzern“ waren „Ruten“ entweder aus Weide oder Hasel durchgeflochten und beidseitig mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verworfen. Immer wieder waren Reparaturen an der Konstruktion erforderlich. Mit den Holzauswechslungen verschwanden auch Teile des Flechtwerks. Diese Flächen wurden meist mit Ziegeln ausgemauert. Bei der Instandsetzung wurden alle geschichtlichen Spuren erhalten, verbunden mit dem Ziel, Geschichte anschaulich werden zu lassen.                                                                                           
                                                                                                                                     
Text: Hans-Heinrich Häffner - Ulrich Heiß

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